„Beskidy Mountain Bike Trophy 2012“ oder „Die heldenhafte Verteidigung der Beinbehaarung“

Das einzige Rennen, das der inzwischen zum gestrengen Sheriff der Donauinsel avancierte Stoppi heuer bestreiten kann, ist das laut Axel Strauss extrem schwierige 4-Etappen-Rennen im südlichen recht bergigen Polen. Das konnten wir uns nicht entgehen lassen und daher machten wir uns am Mittwoch, dem 6. Juni zu fünft auf ins winzige polnische Dorf Istebna, nahe dem Dreiländereck Polen, Slowakei und Tschechien, dem Start- und Zielort aller 4 Etappen.Mit von der Partie waren neben Stoppi und mir der unverwüstliche Adventure Race Experte Axel, der die Masters Kategorie hier schon einmal gewonnen hat, die XC-Legende Markus Hahn sowie die Eva Leitinger, Eingeweihten als Wundermasseurin mit geheimnisvollen Kräften bekannt, die den Markus auch bei fast lebensgefährlichen Verletzungen innerhalb einer Woche wieder fit macht. Außerdem hatten wir wieder eine blöde Idee: sollte ich am Ende vor dem Herrn Lahner landen, würde es eine öffentliche Rasur seiner ungustiösen (der Stoppi sagt „männlich“ dazu) Beinbehaarung geben. Die Gegenwette hab ich leider vergessen….

Gleich am ersten Abend verdarben wir uns in der schlechtesten Pizzeria der Gegend gleich einmal den Magen, aber was muss man auch in Polen Pizza essen gehen.

1. Etappe, Donnerstag 7.6.

Der befürchtete Regen blieb aus, doch irgendwie standen wir alle mit nur mittelmäßiger Motivation und immer noch vollem Magen vom Vortag am Start. Während Axel und Markus vorne wegbolzten, ließen der Stoppi und ich es wie gewohnt etwas gemütlicher angehen. Wie schon bei früheren Rennen war vom Stoppi zu Beginn nichts zu sehen, und als ich mich am langen Anstieg nach der halben Distanz schon sicher zu fühlen begann, raste er mit den Worten „Seawas Inschenär !“ von hinten heran und drückte gleich drauf, dass mir Hören und Sehen verging. Bis zur letzten Labe hielt ich wacker mit, bergauf abreißen (kein Wunder, der arme Bub hat aufgrund seiner 3 Berufe 20 – 30 Kilo abgenommen und schaut wahrlich schlecht aus, fährt dafür aber deutlich schneller bergauf als letztes Jahr), bergab mit größter Mühe wieder heran. Die Verrichtung meiner Notdurft bei der Labe nutzte der Schlingel dann zur Flucht („i hab glaubt, du kummst eh scho !“) und auf den letzen 24 Kilometern nahm mir der „Kannibale“ Stoppi noch 8 Minuten ab. Der Markus war trotz Viruserkrankung über eine halbe Stunde früher im Ziel als ich und der Axel als 3. seiner Altersklasse mehr als eine Stunde. Die Etappe war von der Schwierigkeit her zu vergleichen mit einer der nicht so schweren Langdistanzen bei uns, Kürnberg etwa oder Kleinzell. Ein paar sehr steile Anstiege und knifflge Downhillpassagen, aber auch viel Schotter und ein bischen Asphalt. Aber nichts wirklich „Oarges“, und ich dachte mir schon, da hat der Axel ein bisschen übertrieben. Dennoch waren wir 2 Warmduscher so angepeckt, dass wir für die 2. Etappe ganz was Besonderes planten. Der Markus war leider auch abgereist wegen Krankheit und hatte unsere Masseurin gleich mitgenommen. Daher:

2. Etappe, Freitag 8.6.

Besichtigung von Krakau: Um unseren Rädern und uns ein wenig Ruhepause zu gönnen ließen wir das Rennen Rennen sein und widmeten uns Kultur und Kulinarik im schönen Krakau. Aufgrund eines Umwegs über idyllische, überfüllte polnische Landstraßen dauerte die Anreise 3 Stunden, wir wurden jedoch reichlich belohnt durch gotische Kirchenschätze (Schnitzaltar des Veit Stoß), allerlei Darstellungen des Papstes Johannes Paul II und vor allem Apfelkuchen mit Haselnusseis und Schlagobers am Hauptplatz, serviert von ausgesprochen bezaubernden Kellnerinnen. Am Abend dann eine Forelle Müllerin in einem der traditionellen Gasthöfe in Istebna, wo wir andächtig den Axel´schen Erzählungen über die 2. Etappe lauschten, die wesentlich schwerer gewesen sein dürfte als die Erste, und frohlockten über unsere Entscheidung, diese auszulassen. Am 3. Tag ging es dann allerdings wieder zur Sache, um 9 h ertönte das Startsignal für die

3. Etappe, Samstag 9.6.

Ein Äuzerl besser ausgeruht als die anderen Starter – dafür aber auch nicht mehr in der Wertung – starteten wir ganz hinten und begannen noch gemächlicher als am Ersten Tag. Das war auch gut so, denn zunächstquasi zum Aufwärmen – gab es 2 Rampen von der Qualität einer Eisernen Hand – wer´s kennt. Bei km 25 gings dann richtig los. Ein ewig langer Berg, der g´schmiert begann, von Asphalt auf Schotter überging und irgendwann in einer endlosen Trage – bzw. – Schiebepassage endete. Hab ich gesagt „endete“ ? Nach ungefähr 5 Höhenmetern abwärts begann das ganze von vorn, steiler Weg, schieben, fluchen, eine Kurve, schaut nach Gipfel aus, zu früh gefreut, weiter geht’s. Nach gefühlten 1200 Höhenmetern (es waren nur gut die Hälfte) war man dann im Nebel, keine Wanderer mehr, nur Schilder die vor Bären warnen, gottseidank die Strecke recht gut markiert, danach die Abfahrt: alle G´schichteln vom Axel erwiesen sich als wahr, in Österreich fällt mir als Vergleich nur der Ehrenbachtrail von Kitzalp ein, aber der ist kürzer, oder die Abfahrt vom Steinplan in Kleinlobming aber das gibt’s ja nicht mehr. Verblockte Wanderwege im Nieselregen, knöcheltiefer Schlamm, Stuferl, grad so steil, dass es für mich noch knapp fahrbar war. An einer Stelle ein Streckenposten, der jeden Fahrer zum Absteigen zwang, sonst Gefahr eines Absturzes. Danach, als man sich schon sicher fühlte, eine aus Erde bestehende Wiese, die älteren Leser werden sich vielleicht noch an Bad Goisern 2004 erinnern, eine herrliche Rutschpartie. So muss Mountainbiken sein, doch meine Euphorie wurde gebremst, als ich im Tal noch 20 km vor mir hatte; bestehend aus noch 2 Bergen. Zwar nicht hoch, aber zach und recht froh war ich, mit meiner Schlammpanier nach 5h14 das Ziel zu erreichen. Ach ja, der Stoppi war schon knappe 10 Minuten vor mir da, er wäre ein toller Bergsteiger, denn er schiebt sein Rad den Berg in einem Tempo hinauf, da hätte sogar der Messner noch was zu lernen. Nach 2 Kurven war er entschwunden und darf somit seinen Pelz behalten. Axel hatte aufgrund eines Luftverlusts im Reifen (jaja die Milch) und damit verbundenem Nachpumpens den Tagessieg im Sprint verloren, aber den 3. Rang in der Gesamtwertung behauptet.

4. Etappe, 10.6.

Statt der 4. Etappe (die noch einmal ärger gewesen sein dürfte als die vorigen) haben wir uns zur Heimreise entschieden, für so was Extremes muss man besser vorbereitet anreisen. Leider hab ich grad eine Hiobsbotschaft vom Axel erhalten, er hat heute mit einem Patschen, 3 km Verfahren gemeinsam mit anderen und einem Kettenriss immerhin den 8. Klassenrang geschafft (Gesamt 41.) und ist nun 5. in der Schlusswertung. Worüber viele glücklich wären ist für den Extremetappenmann eine Niederlage, die Österreicherbilanz schaut somit traurig aus, aber 2013 kommt bestimmt und dann kann man es ja noch einmal versuchen. Im Großen und Ganzen wars super, man kann sehr billig großartig übernachten und Essen (Steaks, Forelle, Rindsrouladen, Pierogi, diverse Suppen, Kuchen und riesige Topfenpalatschinken), nur der Markus hat ein Pech gehabt mit der blöden Pizza, aber der war eh heuer schon in Ligurien und hat geschlemmt wie Gott in Italien.

Liebe Grüße
Harti

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Eine Antwort auf „Beskidy Mountain Bike Trophy 2012“ oder „Die heldenhafte Verteidigung der Beinbehaarung“

  1. Gabriel sagt:

    Hej,nur mal so als Anmerkung: die ganzen Karten stmmien nicht zu den Etappen und die Etappennummerierung eh schon lange nicht mehr.An Svenni-Boy: warum pennst du bei den Hfctten? Wenn schon Zelt, dann aber bitte irgendwo in der Wildnis und nicht immer neben ner Hfctte.Nur mal so, Mr. Ex-TeacherYLC

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