MTB Grand Prix Schladming
Schladming, 3.6.2010
Endlich wieder einmal Regen
Nachdem wir uns in Ligurien bereits ordentlich in der warmen Sonne tummeln konnten, stand diesmal zur Abwechslung wieder einmal Regen auf der Tagesordnung. Bereits auf der Anfahrt stellte Harti unsere Expedition mehrfach in Frage: Bei so einem Wetter warnt man alle davor auf einen Berg zu steigen und wir fahren mit dem Bike hinauf? Das können nur verrückte sein!
Und nachdem ich im letzten Jahr auf meine Frage warum es denn pro Tag nur 1 Gel und 1 Riegel für immerhin EUR 50,-- Startgeld pro Tag gibt die lapidare Antwort bekam: Teil es dir ein, entschied ich mich, heuer nur die erste Etappe, die zur Challenge Gesamtwertung zählt, mit Startnummer in Angriff zu nehmen. Der Rest des Wochenendes sollte Training und genießen der Landschaft sein.
Pünktlich eine Stunde vor dem Start hörte der Regen auf und zu unser aller Freude erfuhren wir, dass wir nach der Hochwurzen nicht hinauf zu den Giglachseen rudern sollten, sondern die erste Runde nochmals bewältigen sollten (bis auf die Hochwurzen). Die Alpentour Teilnehmer Ossos Kollossoss, Baron der Drogen, Herbinator, der Jünger, Fipsi und Bam Oida durften im vordersten Startblock Aufstellung nehmen, Harti, Elmelos, Stella, Fredl und der Rest der Bande zogen das hintere Ende des Startbereichs vor. Harti versprach mir hoch und heilig ganz langsam zu starten (er startete auf der Kurzdistanz), doch bereits nach ein paar Metern bergauf merkte ich, da hat er mich wieder einmal ordentlich am Schmäh gehalten. Entlang des Schladminger Talbachs machte er mächtig Dampf und hechelte dem noch schneller startenden Elmelos hinterher. Das Tandem mit Fipsi und Bam Oida schien förmlich zu stehen, so schnell flogen die jungen Wilden den Berg hinauf.
Nachdem ich die längere Distanz bewältigen wollte, lies ich mich auf die Anfangsspielchen nicht ein und versuchte allmählich mein Tempo zu finden, und siehe da, bereits nach einer halben Stunde kamen die Schnellstarter schön langsam wieder näher. Harti (mit Rucksack inkl. Wäsche zum Wechseln ausgestattet) rief mir in einer der ersten Kehren zu: der Elmelos ist voll losgestartet, ein Wahnsinn! Doch als ich ein paar hundert Meter später zu ihm aufschloss war der junge Mann auch nicht mehr weit vor mir zu sehen. Mit Harti im Schlepptau ging es zunächst durch ein matschiges steiles Wiesenstück, gefolgt von einer Wanderung durch einen Märchenwald, danach folgte ein kurzer Downhill auf einer Schotterpiste um dann mit dem Anstieg zur Hochwurzen zu beginnen. Die Schotterpiste schlängelte sich in mehreren Serpentinen den Berg hinauf, immer steiler werdend, und der Herr Elmelos immer größer werdend vor mir. Als ich kurz hinter ihm war, schaltete ich kurzerhand einen Gang höher um in recht flottem Tempo kurz grüßend vorbei zu huschen. Durch diese Tempoverschärfung gelang es mir gleich ein ordentliches Stück von ihm weg zu fahren, so dass er sich nicht in meinen doch recht stattlichen Windschattensog hineinhängen konnte.
Bis zur Bergstation konnte ich mein Tempo durchziehen und von meinen wackeren Mitstreitern war hinter mir auch nichts mehr zu sehen. Also machte ich mich flugs auf zur Abfahrt (so gemütlich war es bei 6 Grad ohnehin nicht), zunächst noch ein kurzer technischer Singletrail mit mehreren Serpentinen und dann eine Schotterpiste bis zur Mittelstation hinunter. Dort angelangt ging es über einen Wanderweg gepflastert mit rutschigen Wurzeln weiter hinab durch den Wald. Der Boden war tief und aufgeweicht, aber aufgrund des Dauerregens der vergangenen Tage dennoch sehr in Mitleidenschaft gezogen. Aufgrund meiner doch eher vorsichtigen Fahrweise konnten mich hier einige verwegene Downhiller überholen. Schön langsam konnte ich mich wieder an den Streckenverlauf aus dem letzten Jahr erinnern und es folgten mehrere knackige kurze Anstiege, ein Märchenwanderweg mitten im Wald sowie mehrere sehr tiefe Wiesenquerungen. Jetzt galt es nur noch über das Ober- zum Untertal zu queren und den Anstieg zur Planai in Angriff zu nehmen, und der wollte wie bereits die letzten Jahre einfach nicht enden.
Ein Tiroler Mädl versuchte hier Kontakt mit mir aufzunehmen, jedoch war ich nicht im Stande ihren Dialekt zu verstehen. Schließlich deutete Sie nur auf mein Hinterrad und ich entdeckte einen mächtigen Ast zwischen Hinterbau und Hinterrad. Artig bedankte ich mich in feinstem Hochdeutsch bei ihr um sogleich locker strampelnd meine zarten Patscherln die Pedale mächtig beschleunigen zu lassen. Zunächst galt es einen Wiesenweg, der je länger man darauf fuhr immer tiefer wurde, zu bewältigen um dann nach einem kurzen Asphaltstück eine immer steiler werdende Forststraße hinauf zu gondeln, ein Schild mit der Aufschrift: noch 4km machte Hoffnung. Alsbald ging es in einer Spitzkehre in einen Singletrail talwärts, doch bereits nach wenigen Metern stellte sich mir ein Wurzelteppich unverhofft mitten in den Weg. Ich machte es den Bergabschiebern vor mir gleich und watschelte mit dem Bike im Händchen über besagte Passage um danach im flotten Downhill dem nächsten Anstieg entgegen zu jagen.
So 4km können ganz schön lange sein, vor allem dann wenn man weiß, dass man ja die nahezu idente Runde nochmals in Angriff nehmen darf. Endlich ging es mit dem nächsten Hinweisschild: noch 2km dem Zielhang der Planai entgegen. Wieder folgte ein nicht endend wollender Wurzelteppich durch den Wald, den ich diesmal allerdings unter nicht ganz geklärten Umständen fahrend bewältigte. Kurz danach bogen wir auf den Zielhang in die Wiese hinaus und es galt auf dem Bike einigermaßen Bremsen beherrschend dem Planaistadion entgegen zu rutschen. Nach genau 3h Fahrzeit überquerte ich die Ziellinie das erste Mal und machte mich nun etwas gemütlicher auf meine zweite Runde, das Minimalziel Harti und Elmelos auf der ersten Runde hinter mir zu lassen war geschafft. Wieder ging es entlang des Talbachs hinauf zum Anstieg zur Hochwurzen. Auf einem kurzen Stück mit Gegenverkehr kamen mir die verwegen fahrenden Chaoten Johnny und Franz entgegen, sie hatten den Anstieg zur Hochwurzen bereits ein zweites Mal bewältigt. Ich versuchte wieder halbwegs mein Tempo am Anstieg zu finden und konnte dann doch noch einige vor mir fahrende Topathleten locker überholen. Allerdings war mir nicht ganz klar, wann wir endlich wieder bergab fahren würden. Immer höher ging die Forststraße und von einer Abzweigung war weit und breit nichts zu sehen. Die Beschilderung war ein wenig dürftig und endlich, kurz vor der Mittelstation deuteten uns Wanderer, die sich unserer erbarmten, den Weg talwärts. Ein wenig geschlaucht ging es wieder um die Hochwurzen herum. Die Strecke wurde mit jedem Meter tiefer und war durch die anderen Rennteilnehmer auch schon ordentlich in Mitleidenschaft gezogen.
Über Ober- und Untertal gelangte ich schön langsam wieder zum Fuße der Planai um die letzten Singletrails mit besagten Wurzeln zu bewältigen. Nachdem ich diese ja bereits aus der ersten Runde kannte, gab es diesmal kein erbarmen. Gnadenlos ließ ich mein Bike über die schwierigsten Wurzelpassagen gleiten um sodann auf den ersten Metern des Planai Zielhangs einen mächtigen Salto Mortale kopfüber über die Wiese hinzulegen. Der Streckenposten wollte bereits zu applaudieren anfangen, ich konnte ihn allerdings durch eine deutliche Handbewegung kurzerhand davon abhalten. Mit ein wenig Respekt und einem kleinen Beistrich im Hoserl machte ich mich weiter auf den Weg als ich meinen Augen nicht traute. Mitten im Zielhang erwarteten mich Harti (ich hörte nur so etwas Ähnliches wie „lass die Bremsen los“) und Elmelos (bewaffnet mit Fotoapparat). Mit Glück und Geschick gelang es mir die restlichen Kurven sturz- und unfallfrei hinunter zu schlittern um nach endlosen Stunden endlich im Ziel zu sein.
Die Ziellabe war zwar noch nicht abgebaut, aber bereits dermaßen geplündert, das mir der nette ältere Herr nur noch von den Köstlichkeiten die es zuvor gab, erzählen konnte. Auch sehr nett von ihm, mein Hunger und mein Durst wurden dadurch aber auch nicht gestillt.
Dagegen dürfte ja der Tag auf dem Tandem recht gemütlich gewesen sein, bei der ersten Zieldurchfahrt gab der Freilauf des Hinterrads seinen Geist auf und der Herr Trafikant Fipsi investierte entgegen aller seiner innersten Überzeugungen in einen neuen Laufradsatz!!!!!!! Dadurch konnten sich die beiden über eine Stunde Erholung gönnen (jetzt ist mir ja auch klar, warum es bei der Ziellabe nichts mehr gegeben hat) und nahmen gut gestärkt und ausgeruht die zweite Runde in Angriff. Unter Applaus und Getöse wurden die beiden dann am späteren Nachmittag im Ziel willkommen geheißen.
Alles in allem ein anspruchsvoller Kurs in einer wunderschönen Landschaft, die wir die nächsten Tage noch reichlich bei herrlichem Sonnenschein genießen durften.
Euer Stoppi



















