24h Finale - Ligurien - 4er Staffel
Ligurien, 23.5.2010
An alle von Regen und Kälte geplagten Daheimgebliebenen!
Wie im Nu ging ein Jahr vorbei und wir haben schon wieder das einzigartige 24h Rennen von Finale Ligure hinter uns gebracht, wie schade!
Nachdem jeweils 1100 km An- und Abreise im Vorjahr ein wenig Streß verursachten, entschloss ich mich heuer eine ganze Arbeitswoche zu opfern, um ein wenig Urlaub im sonnigen Süden verbringen zu können. Am Montag vor dem Rennen fuhren der Alfred Zamisch und ich bereits los, mit 140 km/h Schnitt erreichten wir Genua in seinem geräumigen Chrysler Voyager im Nu, nur beim Aussteigen merkte ich, dass das Gebläse meiner empfindlichen Hals-Nasen-Ohren-Struktur gar nicht gut bekommen war, denn ich hatte fürchterliches Halsweh. Krächzend begrüßte ich den bereits neben dem Renngelände campierenden Tom „Wödmasta“ Widhalm und den unverwüstlichen Topbetreuer „Freestyle-Pepi“. Der Kurs liegt af ca. 300 m Seehöhe inmitten mediterran bewaldeter schroffer Hügel, aus denen mitunter die Wildschweine hervorlugen. Tief unter den genialen Trails liegt das azurblaue Meer. Leute, die Grundlage trainieren wollen, sind hier allerdings ebenso fehl am Platz wie in Gran Canaria.
Zunächst wurde allerdings die Standhaftigkeit im Essen und Trinken erprobt und wir gondelten die Serpentinen hinunter nach Finale Ligure, ein zauberhaftes Küstenstädtchen mit hervorragenden Restaurants. Verzweifelt ölte ich meinen Hals mit dem guten Hauswein und dem scharfen Chiliöl, das verschwenderisch über die Pizzen gegossen wurde. Die Nacht im Zelt war frisch, aber erträglich und am nächsten Morgen, zeitig um 11 erschien der Markus „Marco Gallo“ Hahn, der mit der Susi in einem Nobelhotel abgestiegen war, zur gemütlichen regenerativen Ausfahrt. Auf dieser hustete ich am 1000 Höhenmeter Anstieg zum sogenannten Melogno (für die Eingeweihten: was für den „dünnen Mann“ in Gran Canaria Ayacata, ist für den Pepi in Ligurien der Melogno) meine Lunge heraus, und war völlig demotiviert, an sofortige Heimreise dachte ich zwar nicht, aber an das Aufhören mit dem deppaten Radlfoarn, wo man sich eh nur sinnlos plagt und in meinem Alter eher Golf usw.usw. Oben angekommen stellte der Wödmasta auch gleich seinen Sattel tiefer, was mir den nächsten psychischen Schlag versetzte und mich an sehr schmerzhafte Szenen meines letzten Gardasee-Aufenthalts erinnerte. Ich erwartete Singletrails, die eher für den trittfesten Klettersteiggeher geschaffen waren, als fürs Radeln, und befahl meine Seele dem Lieben Gott, schließlich befanden wir uns im tiefkatholischen Land des Don Camillo.
Nach der Überwindung der ersten Angst allerdings erwies sich der Downhill als extrem flowig und supergeil, und da ich meine hintere Bremsscheibe vorher irrtümlich eingeölt hatte und daher kaum Bremsen konnte, brachte mir meine (unfreiwillig) zügige Fahrweise Lob von den Abfahrtsmeistern Hahn und Widhalm ein. Nur bei 2 höheren Stufen verließ mich ein wenig der Mut, und als uns ein paar bundesdeutsche (Möchtegern-)Freerider mit Vollvisierhelmen ungläubig fragten, ob wir das alles gefahren wären, überkam mich sogar ein klein wenig Stolz. Der Gallo erklärte mir dann allerdings, dass man als XC-Fahrer bei solchen einfachen Abfahrten ans Absteigen gar nicht erst denken darf, und ich erfuhr, dass die Standardabfahrt vom Melogno die absolut einfachste unter den Freeride-Strecken um Finale ist.
Nachdem wir abends in der „La Grotta“, einem urtümlichen Restaurant mitten in der Wildnis Toms 45er gefeiert hatten und der Abend in einer Grappawolke verklungen war, gings mir am nächsten Tag kater- und verkühlungsmäßig ziemlich schlecht, doch Donnerstag und Freitag probierte ich schon ein paar Runden auf der Rennstrecke. Schotter, spitze Steine, großartiger Meerblick aber auch Staub, Staub, Staub kennzeichnen den Parcours. Freitag um 2h30 früh weckten mich die Neuankömmlinge Stoppi und Philipp, nachdem die zweite Wiener Staffel, bestehend aus Jimmy Steiner, Christian Widhalm, Lucki und unserem Starbiker Vinzenz Ladurner, bereits am Mittwoch angekommen war. Wie im Vorjahr war auch wieder die Alex dabei, die geniale Wödmasta-Betreuungsergänzung zum Pepi.
Das eigentliche Rennen war dann wieder ganz ganz super, trotz Brennen in der Lunge wegen Staub und Husten wäre ich ohne Verkühlung wahrscheinlich auch nicht viel schneller gefahren. Details könnt ihr dem Bericht vom Stoppi entnehmen, die anderen Österreicher haben uns ziemlich versägt, was allerdings hauptsächlich einem Starbiker zu verdanken ist, nämlich dem Vinzenz. Der hat bereits den anderen bei den Streckenbefahrungen aufgrund seines Körperbaus das Fürchten gelernt („Der hat ja Adern wia da Branko !“ O-Ton Hahn). Adern hin oder her, auf jeden Fall ist der Vinz allen um die Ohren gefahren: 3 Minuten schneller als Philipp und Lucki, 6 Minuten schneller als alle anderen, dagegen ist kein Kraut gewachsen, da sieht man, was für Talente bei Starbike schlummern. Und ich muss gestehen, im Gegensatz zu mir hat der Vinzenz bei jedem Turn die Starbike – Wäsche getragen, alle Achtung!
Die Veranstaltung war großartig wie immer, italienisch relaxed und doch an der Spitze ein hohes Niveau (die 12erSiegerstaffel bestand aus lauter Giro-erfahrenen Profis), und sehr viele, sehr gemütliche Teilnehmer, zum Überholen fast schon ein wenig zu viele. Einziger Wermutstropfen: das Missgeschick unseres NoBody wegen der langen Laufpassage, was den Veranstaltern dann auch ein wenig peinlich war. Trotzdem gab es mit Rudi Springer einen würdigen Sieger, der Mann mit den wahrscheinlich schönsten Zähnen im Peloton (keine Spur von ligurischem Staub beim Siegerlächeln) hätte Tom das Leben heuer sicher nicht leicht gemacht.
Freu mich schon auf nächstes Jahr!
Euer Harti

















