24h Finale - Ligurien - 4er Staffel
Ligurien, 23.5.2010
Das geilste Rennen ever
Nachdem wir bereits letztes Jahr durch einen Tipp des Herrn Wödmasta Nobody dieses phänomenale Rennen bestritten hatten, nahmen wir auch heuer wieder die doch etwas beschwerliche und weite Anreise auf uns, um die einzigartigen Singletrails von Finale Ligure und das unbeschreibliche Flair dieser Veranstaltung genießen zu können.
Unser letztjähriger wackerer Mitstreiter Rizan wurde leider durch einen hinterhältigen Trick seines Arbeitgebers von der Teilnahme abgehalten, sodass wir (die Altherrenpartie Harti, Alfred und ich) uns entschlossen, den führenden der Kinderklasse der Hobbytrophy als Youngster im Bunde aufzunehmen. Dieser strapazierte bereits bei der Anreise mehrfach meine an und für sich doch recht guten Nerven, mit so grundlegenden Fragen, warum mein Auto überhaupt Benzin verbraucht? Oder warum ich kein Navigationsgerät habe? Oder warum die Autobahnmaut in Italien so teuer ist und wir nicht Bundesstraße fahren????? Jeder andere hätte ihn entweder aussteigen lassen oder hätte ihn geknebelt und gefesselt und wäre so weiter gefahren. Und nicht genug dass er sich in meiner Gewichtsregion bewegt, braucht er auch noch zwei Räder, die alles andere als Platz haben in meinem kleinen aber feinen Automobil. An den zusätzlichen Spritverbrauch darf ich ja gar nicht denken, aufgrund des enormen Zusatzgewichts. Ich hatte ja anscheinend noch Glück, dass er nicht auf die Schnapsidee kam sein angehimmeltes Liegerad mitzunehmen.
Trotz all dieser nervenaufreibenden Strapazen kamen wir dank meiner soliden Fahrweise mehr als rechtzeitig in Finale an und wurden dort gleich von einem verkühlten Harti in seinem Partyzelt in Empfang genommen, leider jedoch nicht sofort in den Schlaf gesungen, da wir mitten in der Nacht noch unsere Liegen aufstellen mussten und uns aufgrund aufkommender Kälte und Feuchtigkeit die Mütze tief ins Gesicht zogen und in den Schlafsack kuscheln sollten. So verbrachten wir den Rest der Nacht etwas frierend und mit wenig Schlaf. Am nächsten morgen lachte dafür die Sonne und der Herr Wödmasta samt Pepi lud zu einem köstlichen Frühstück ein. Dann machten wir uns alsbald auf zu einer Streckenbesichtigung. Der Kurs war diesmal um ca. 1/3 länger als letztes Jahr und hatte nichts von seiner Einzigartigkeit eingebüßt. Singletrails vom Feinsten, Wurzelpassagen, Geländestufen, Anleger, kurze steile Anstiege, Schotterpassagen, steile Serpentinen mit Steinen gepflastert, ruppige Wiesenabschnitte, kurzum von allem etwas dabei und das bei der grandiosen Kulisse mit Meerblick auf eine malerische Küstenlandschaft. Mountainbiker Herz was willst Du mehr!!! Der Tag verflog innerhalb kürzester Zeit, Harti und ich machten uns noch auf zum Supermarkt um für den Renntag genügend Getränke sowie Lebensmittel zur Verfügung zu haben.
Die Wiener Abordnung in Finale bestand heuer aus dem Topfavoriten für den 24h Solo Titel, Herrn Wödmasta Nobody, sein Stammersdorfer Wastl Marco Gallo, ebenfalls ein Härtling unter der Sonne als 24h Solo Fahrer und zwei 4er Staffeln – eine bestehend aus Jimmy, Lucki, Vinzenz und dem „kleinen“ Widhalm – sowie unsere Staffel – Harti, Fredl, Fipsi und mir. Fipsi dürfte da ja überhaupt etwas falsch verstanden haben, denn er plapperte da immer etwas von: den Vinzenz pack ich im Schlaf und er will unbedingt vor der anderen Staffel sein. Unser anderer anliegen war die wunderbare, einzigartige Landschaft, das spezielle Flair dieser Veranstaltung ganz einfach zu genießen, Spaß an diesen wunderbaren Singletrails zu haben und möglichst keinen Stress zu haben. Daher wurde Fipsi als Startfahrer unserer Staffel auserkoren, denn der musste vom Hauptplatz der Ortschaft Finale, direkt am Meer liegend, zunächst einmal hoch zu uns auf den Berg fahren um dann an den zweiten Fahrer, Fredl, zu übergeben. Wie bereits letztes Jahr hatten wir auch heuer wieder nur 2 Zeitnehmungschips für 4 Fahrer, sodass wir nach jeder Runde den Chip weitergeben mussten.
Die Einzelstarter dagegen durften einen Le Mans Start vom Feinsten hinlegen. In Radschuhen zunächst ein ca. 4km Geländelauf um dann das jeweilige Rad in der Wechselzone zu suchen und endlich loszufahren. Und genau dieser Geländelauf wurde unseren 2 Helden leider zum Verhängnis. Nobody ist aufgrund seines Motorradunfalls beim Laufen dermaßen gehandicapt, dass ihm diese Distanz einfach zu lang war (ganz zu schweigen vom ruppigen Untergrund) und er bereits nach 2 Runden mit schwer geschwollenem Fußgelenk vom Rad steigen musste. Selbst ein zweiter Versuch eine Stunde später wurde nicht belohnt und er musste endgültig das Handtuch werfen. Nicht viel besser erging es dem Stammersdorfer mit italienischen Wurzeln, Marco Gallo, auch er bediente sich beim Laufen, sodass er nach mehreren Stunden kein Gefühl mehr im rechten Bein hatte und die nächtliche Wärme im Auto dem grandiosen Kurs vorzog.
Bei uns hatte sich schön langsam alles eingespielt, wir wechselten nach jeder Runde und hatten (wie von Fipsi vergeblich gehofft) mit den Podestplätzen herzlich wenig zu tun. Wir bewegten uns im ersten Viertel der Staffeln und fuhren alle brav und gleichmäßig unsere Runden. Bei einsetzen der Dunkelheit kamen die anderen auf die grandiose Idee doch nicht jede Runde zu wechseln, sondern gleich zwei Runden zu fahren. Da ich meine ersten zwei, drei Runden anscheinend ein wenig zu flott angegangen war, merkte ich so ein komisches ziehen in den Wadeln, was ich alsbald als einsetzende Krämpfe diagnostizierte. Na das kann ja heiter weiter, noch nicht einmal die Hälfte des Rennens vorbei und meine Haxerln streiken schon. Also nichts wie zur Labestation und köstliche Nudeln mit ligurischem Pesto verdrücken. Der Herr Alfred hingegen nahm sich den Fipsi ein wenig auf die Schaufel und erzählte ihm, dass er jetzt auf Nudeln samt Bier gehen würde. Völlig fassungslos weinte sich Fipsi bei mir aus bis ich ins selbe Horn stieß indem ich ihm gleichfalls erzählte es dem Fredl gleichzutun. Nach einer fast einminütigen Fassungslosigkeit fragte er mich dann allen Ernstes ob das jetzt wahr ist, ob ich wirklich Alkohol zu mir nehmen würde. Ich konnte mich vor lauter Lachen schon kaum mehr halten. Fredl hingegen setzte sein vorhaben tatsächlich um und kam völlig relaxt wieder zu unserem Festzelt.
Allerdings dürfte er da ein wenig zu relaxt gewesen sein, denn beim nächsten Wechsel lies er sich dann ein bisschen zu viel Zeit, sodass Fipsi in der Wechselzone eine halbe Minute vergeblich nach Fredl Ausschau hielt. Fipsi, bis in die nicht vorhandenen Haarspitzen motiviert, lies hier einige Ausdrücke fallen, die ich dem werten Leser dieser Zeilen nicht zumuten will. Komplett fassungslos kam der tobende Recke dann zu mir um mir den Fauxpas vom Fredl zu erzählen, aber statt ihn in seiner frenetischen, aufgeputschten Stimmung zu unterstützen, erklärte ich ihm trocken, dass dieser Zeitverlust bei unserer Platzierung nicht wirklich ins Gewicht fallen würde (zu diesem Zeitpunkt lag unsere Staffel so um Rand 10). Jetzt war dem armen Kerl seine Fassungslosigkeit mitten ins Gesicht geschrieben.
Als ich wieder einmal an der Reihe war und mich zur Wechselzone begeben wollte, merkte ich, dass ich trotz vorheriger Kontrolle einen Patschen hatte. An wechseln war nicht mehr zu denken, so stellt mir Fipsi eines seiner Räder zur Verfügung. Mit Entsetzen stellt ich dann fest, eine 2-fach Kurbel, V- Brakes, ein Sattel fast wie ein Sofa und noch so einige Spielereien. Da musste ich jetzt durch. Mit einem Rad, dass ich so nie fahren würde, legte ich eine dann doch etwas langsamere Runde ein um nicht in Versuchung zu gelangen, die Herrschaft über dieses Sofa zu verlieren.
Meine Krämpfe wurden mit Stunde zu Stunde auch immer weniger und die Nacht verging auch schön langsam, auf unseren Liegen konnten wir doch einigermaßen relaxen zwischen den Turns und die Aussicht im warmen Sonnenlicht die restlichen Stunden zu verbringen motivierte uns zusätzlich. Harti hatte gerade an Fipsi übergeben, als ein düsteres, tiefes grollen in der Ferne erklang. Es wurde immer lauter und kam schön langsam näher. Ich musste unweigerlich an dahertrabende Nashörner denken, als Fipsi im Laufschritt über die Wiese daherkam. In der einen Hand sein Rad schiebend, in der anderen die Einzelteile seiner Kette schwenkend. Sofort bot ich ihm mein Rad an, doch er hatte ja sein Ersatzrad mit und lies es sich nicht nehmen, mit dem Kinderrad (29 Zoll) eine Runde zu drehen. Während er seine Runde weiter in Angriff nahm ließen wir sein Rad in der Technical Zone wieder herrichten. Kein Wunder, dass die Kette den Geist aufgab, nach mehrfachem Chain suck war das zu erwarten…..
Vormittags wurde dann das Fahrerlager ganz einfach für eine Stunde gesperrt und es wurde ein Kinderrennen mitten durch die Zelte und Absperrungen abgehalten. Mit italienischer Relaxtheit war das ein wahrer Genuss das Rennen anzusehen. Eltern schoben ihre nicht ganz willigen Kinder über den Parcours, andere drängten sich so in den Kurs, dass es zu sehenswerten, aber glimpflichen Stürzen kam. Einfach herrlich.
Inzwischen hatte uns die andere 4er Staffel bereits mehrfach überrundet und es ging dem Ende des Rennens entgegen. Auf meiner letzten Runde hatte ich dann die Ehre zunächst Marco Gallo, der am Vormittag wieder das Rad bestieg, einzuholen um mit ihm gemeinsam weiterzufahren. Gemeinsam schlossen wir dann zum Führenden der Solokategorie Rudi Springer auf und machten unsere Aufwartung. Ein wenig genervt von unseren Lobhuldigungen winkte er uns dann am Ende eines Uphills vorbei und war recht froh von uns nichts mehr zu hören. So wirklich Druck hab ich dann auch keinen mehr aufs Pedal gebracht und vor dem letzten Downhill hab auch ich den Herrn Gallo vorbeigelassen, wissend um meine und seine Qualitäten im Downhill. Im Ziel angelangt ging es zunächst zur Radwäsche, dann zur Chipübergabe, schnurstracks in die Dusche um sofort Nudeln mit ligurischen Pesto samt Birra zu verdrücken. Dermaßen frisch gestärkt machten Harti und ich uns auf den Weg zur Zielflagge um den Siegern zuzujubeln. Fipsi hingegen erzählte noch etwas von einer schnellen Runde vom Fredl und warum keiner von uns mehr in die Wechselzone ging um eine noch mögliche Runde zu fahren. Das musste er schon selber machen, denn aufgrund der vorigen Rundenzeiten war das mehr als unwahrscheinlich und mir auch schlicht weg egal.
Wir beendeten den Bewerb auf dem für unsere Verhältnisse sehr respektablen 11. Rang und verabredeten uns mit den anderen zu einer abendlichen Pizza im Ort Finale um das Meer und den Abend zu genießen. Mein Mitfahrer allerdings fragte mich doch allen Ernstes warum wir nicht gleich nach dem Rennen wieder nach Hause fahren könnten???? Als ich ihm vom Pizza Essen erzählte war seine nächste Sorge, dass wir auch nicht zu spät schlafen gehen würden und auch nüchtern bleiben sollten. Ich glaube da ist jemand noch nicht im richtigen Leben angekommen, ich habe den Abend auf jeden Fall genossen und es mir gut gehen lassen, samt Bier und Wein.
Ein wunderschönes Wochenende war wieder einmal viel zu schnell vorbei und wird mir sehr lange in Erinnerung bleiben.
Euer Stoppi

















