Tiliment MTB Marathon
Friuli - Venezia Giulia, 18.4.2010
Liebe Urguate!
Die Marathon-Saison ist eröffnet! Nein, keine Angst die lustige Forststraßen-Brettelei von Sankt Veit wurde noch nicht vorverlegt. Bertl und meine Wenigkeit folgten den Rufen aus Bella Italia und stellten sich zum Start der zweiten Auflage des „Tiliment Marathon Bike“ im wunderschönen Spilimbergo nahe San Daniele (ja, das mit dem Prosciutto).
Teamkollege Mr. Fitz, ursprünglich auch mit von der Partie, musste vorzeitig w.o. geben. Er wusste scheinbar schon warum….
Bestens vorbereitet (60Std Woche im Büro, 1 Woche Schüttregen daheim, kein Meter am Bike) gings Samstag früh nach Italien. Nachdem weder die Anreise, noch der Bezug des Hotels in Mitten von Spilimbergo keine nennenswerten Probleme machte, saßen wir doch glatt um kurz nach 14 Uhr schon beim ersten Cappuccino in der Sonne und warteten auf das Öffnen der Startnummerausgabe. Mit traditioneller Italienischer Gelassenheit dauerte das Aushändigen der Startnummer dann doch etwas länger: Weil 5 Personen vor uns, die noch dazu mehrere Nennformulare bei sich hatten und ein hoffnungslos überlasteter Vollzugsbeamter ergibt in Summe weit über eine Stunde Wartezeit (bösen Gerüchten zufolge sollen heute noch Menschen zwecks der Nennung anstehen).
Auch dieses Kapitel haben wir überstanden. Dann kurzes Einrollen in der näheren Umgebung (mittlerweile vermuten wir sogar schon die richtige Richtung der Strecke – was in Anbetracht der mageren vorliegenden Daten ja nicht so einfach ist). Abends dann traditionelles urguates (Carboloading)Essen: Pizza.
Renntag
Die Freude auf ein trockenes Rennen wurde schon um 3 Uhr unter Salzburger Schnürlregen begraben (der wenigstens bis zum Frühstück aufhörte). Von einem Frühstück um 7 Uhr waren wir mittlerweile ebenso weit weg wie von einem trockenen Parcours ...Wir hätten uns gewundert wenn es anders wäre. Aber so ein Start bei bedecktem Himmel und 12°C (zumindest plus) ist auch was Nettes. Wir schreiben mittlerweile 9:00 und sind, richtig, noch nicht gestartet. Wir sind ja in Italien. Hier gehen die Uhren etwas anders. Wo samstags noch der Wochenmarkt stattfand, findet am Sonntag der Start zum MTB Rennen statt….
Und gleich vorweg, die von uns als „Kindergeburtstag“ abgekanzelte Strecke von 100km und 2200hm war alles andere nur kein Kindergeburtstag. Bertl und ich haben diese Strecke vollkommen unterschätzt. Dazu der letztjährige Siegerschnitt von über 25km/h.
Der Veranstalter hat es aber auch geschafft ein Abfolge von unfahrbaren Auf- und Abfahrten in die Landschaft zu legen, die seinesgleichen sucht. Offensichtlich waren dies die grausigsten Wanderwege die die Region Friuli zu bieten hat.
Die ersten 30km gings im großen Paket durch Felder und Flussbecken.
Pünktlich zum ersten gröberen Anstieg (dezente knappe 20%) setzte Schüttregen ein, die Fangopackung ist angerührt und machte die schon rutschige Strecke noch glatter. Nicht enden wollender Spaß sozusagen. Im zweiten Singletrail macht mein Umwerfer „leicht“ gatsch-durchsetzt Probleme und Bertls Rennen endet dank eines Astes an dieser Stelle.
Liebe Leser, zu diesem Zeitpunkt befinden wir uns aber noch im gemütlichen Teil der Veranstaltung.
Nach einem hübschen Bergaufstück (wo mir der Herr Wieltschnig entgegenkommt) gabs die erste lange Abfahrt. Ein Singltrail, wo ich mir nach einsetzen von weiterem Regen der Zuordnung „Wildbach“ oder „Singltrail“ nicht mehr ganz so sicher bin, bereitet meinem Fortkommen ein kurzes Ende. Beim Bike kann ich bis auf einen verbogenen Schalthebel keine gröberen Mängel feststellen. Beim Herrn K. sieht das aber kurzzeitig anders aus: Treten kann ich, also wird weiter gefahren. Wie sagt man „Aufgeben wird ein Brief“. Ach ja so nebenbei sei erwähnt, das sich mittlerweile die Temperatur in einem Bereich von 6°C angesiedelt hat. Immerhin aber plus.
Von nun an geben sich Trails, Wanderwege, Forststraßen, Steintreppen (!), asphaltierte Bergstraßen die Klinke in die Hand. Rauf, runter, links, rechts. Und bei einer dieser Steintreppen passierte mein zweites Hoppala. Bei einer spiegelglatten Obeerfläche wie im Winter quittierte der vordere Pneu seinen Dienst in Puncto Seitenhalt und ich fand mich neben der Treppe zwischen Steinmauer und Graben wieder. Die Blutflecken sind mittlerweile wieder aus den Ärmlingen heraußen, nur das Schaltauge muss noch getauscht werden und das Schaltwerk selbst muss wohl mit ein paar Kratzern weiter leben. An der Stelle überlegte ich aber die Sinnhaftigkeit dieser flotten Landpartie. (Bertl mittlerweile im Ziel fröhnt bereits der Ziellabe, säuberte sein Bike und nahm eine warme Dusche)
Aber auch die nächsten km spulte ich runter, das mir zwischenzeitlich noch die Kette zwischen Zahnkranz und Speichen zu liegen kam sein nur noch am Rande erwähnt. Die letzten km vor Augen, hatte sogar die Sonne mit uns ein Erbahmen
Die letzten Trails bevor es in das Tagliamento Flussbecken geht, wurden in warmer Frühjahrssonne absolviert und im Tal ist es sogar richtig heiß. Gut, mein Empfinden dürfte nach 5Std. durch Wind und Wetter zu allem positiv gestimmt sein, was über 6° und Regen lag....
Wie gut dass ich ein Fully hab, dachte ich mir beim Vierer Mannschaftzeitfahren im holprigen Rollschotter des Flussbeckens. Komischerweise konnte keiner der drei anderen meine Freude teilen. Lags an deren Hardtails? Somit konnte ich im Zielsprint Boden gutmachen und schaffte trotz aller Probleme einen 19ten Gesamtrang und in meiner Alterklasse respektables Blech (4.).
Das nach fünfeinhalb Stunden kein warmes Wasser in den Duschen mehr verfügbar war, brauche ich hier nicht mehr extra zu erwähnen, das ist selbstverständlich, oder?
Grüße
Tom






