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September

Radshop Fritz

Trainingslager Gran Canaria

Gran Canaria, 17.3.2010


Tom

Liebes Tagebuch!

Nun ist es wieder vorbei, das Traininglager in Gran Canaria. Zwei wirklich ereignisreiche Wochen liegen hinter uns. Schwer gezeichnet von den Strapazen der letzten Tage verfasse ich diese Zeile.

Begonnen

hat alles zu wirklich gottverlassener Uhrzeit am Wiener Flughafen. Erster Stress kam auf, als der nette Herr vom Check In partout das Gewicht von Mr M´s und meinem Gepäck nicht aufsummieren wollte und mir die Zahlung von 8kg Übergepäck in Aussicht stellte. Also flott umpacken und dann ist auch der Herr vom Gepäck zufrieden.

Zwischenzeitlich haben alle eingecheckt und der „Reiseleiter“ Willi Krenn sitzt bereits beim roten Rebensaft. Wir haben aufgrund der Uhrzeit dann doch Kaffee vorgezogen.

Der Harti zog es einmal vor, alleine, ohne uns (diese Bagage aber auch), nach Gran Canaria zu Reisen und stattete obendrein dem schiefen (Flughafen)Tower von Nürnberg einen (Kurz)Besuch ab.

Nachdem unsere Reise wie im Flug verging, waren alle und alles gut angekommen. Alles? Nein, nicht alles. Der Koffer von Rudi, der blieb in Wien. Böse Zungen behaupten der „Papierene“ hatte hier seine Finger mit im Spiel. Stand doch auf Gepäckstück der Name des dünnen Mannes oben. Verdächtig, verdächtig! Kurz um, Koffer nicht da, Rudi mit Leihwäsche unterwegs. Wie das jetzt mit dem Tauschen der Wäsche war, möchte ich an dieser Stelle gar nicht erörtern.

Die Ankunft des dünnen Mann und mir sorgte schon am Anreisetag für staunende Gesichter unter den Radfahrern. Eine deutsch–schweizer Rennrad-Combo wird diesen Tag noch bitter in Erinnerung haben. Die Combo wollte den dünnen Mann und mich doch glatt auf der Heimreise in Richtung Maspalomas überholen. Nachdem wir uns aber einen vorausfahrenden Rennradler einverleiben wollten, ließen wir die Purchen einfach so stehen.

Das haben die nicht so ganz verkraftet. Zwei Tage später, nach dem „Mannschaftszeitfahren“ nach Ayacata, war das immer noch Thema.

Zweiter Tag,

die Ausfahrt kaum 5min alt, beginnt am Kreisverkehr ein Mannschaftzeitfahren mit zwei Tschechen in Richtung Mogán. Lance „Ossi“ Armstrong nutzt die Chance auf ein wenig Windschatten und wir die Chance auf die ersten erhabenen Pulsspitzen des Tages.

Kurz vor Mogán täuschen die Tschechen eine Rauchpause vor und lassen uns ziehen. Ossi bemerkt davon nix und hält das Tempo weiter hoch. Mr. M hat hier so seine Probleme und reißt ab. Irgendwo hinter Mogán normlisiert sich die Lage, Ossi und Rudi sind fort, Mr. M endgültig abgerissen und ich beende mit dem dünnen Mann, Stunden und eine Gipfelrunde später, den Fahrtag. Beim abendlichen Buffet, genauer bei den Nachspeisen, bahnt sich bereits Großartiges an. Schön langsam beginnt der Heinz hier einen Trumpf nach dem anderen auszuspielen. Ist der zukünftige Eisprinz von Maspalomas schon gefunden?

Trainingspläne

Interessant auch die Trainingspläne von Stella, Ossi, Stoppi und Mr. M. Es kommt öfters das Wort „Flach“ vor. Wer die Insel kennt, wird an dieser Stelle milde zu lächeln beginnen. Flach fahren heißt nämlich das man bei 50km Küstenstraße schon etwa 700hm einsammelt. Als Donauradweg erprobter Flachlandtourist ist das einmal eine Ansage.

Apropos Trainingsplan, Harti, der sich über die Vier und deren Trainingsplan mokiert, gehört selbst zu den ehrgeizigsten Trainierern. Er lässt sich Anweisungen von Herrn Stiegler zusammenstellen und beginnt obendrein den Tag mit Morgengymnastik in der Wiese vorm Bungalow!

Die finnische Blondine vom Bungalow gegenüber war von Harti´s Gymnastikeinlagen weniger entzückt und zog daher die Abreise von der Schönen Insel vor.

Vierter Tag

Nach dem kleinen obligatorischen morgendlichen Mannschaftszeitfahren, diesmal allerdings ohne fremde Beteiligung, geht es ab Agüimes in die Berge. Reiseleiter Willi wählt einen der schönsten Anstiege auf den Pico aus . Wobei sich hier „schön“ eindeutig als die Abkürzung von „schön steil“ ableitet. Es könnte aber genauso gut „schön grauslich“ heißen.

Ossi verdient sich hier endgültig den Titel „König der dicken Schenkel“. Liegt aber sicher auch daran, das er gar nicht mehr langsamer fahren kann, auch wenn er wollte.

Wir haben mittlerweile Samstag Abend, Harti war entgegen aller Ankündigungen immer noch kein einziges Mal fort und Herr und Frau Weltmeister haben mittlerweile auf der Insel angelandet. Und was sich die Tage zuvor schon abgezeichnet hat, wird Wirklichkeit: Der Heinz wird unser Eisprinz! Wie kein anderer drapiert er die Eiskugeln gekonnt in die (Suppen)Schüssel. Selbst Stoppi, der im Zuge dieses Trainingslager auf gesunde Kiwis gewechselt hat, blickt neidisch auf die Heinzsche Eisschüssel. Ein Meister seines Faches!

Zwei Tage Kuchenpass

Frisch erholt vom ersten Ruhetag steht am Montag das berühmt berüchtigte Tal der Tränen am Programm. Mit wirklich zaghaftem Tempo (nein ich habe nicht die Gruppe gewechselt und fahre mit Stoppi und Harti) erreichen wir den „Kuchenpass“ oberhalb von San Nicolas.Das Cola, gepaart mit anderen gesunden Nahrungstechnischen Ergänzungen, treibt aber die Herrn Ossi und Rudi zu ungeahnten Höchstleistungen.Das weitere Programm kennen wir bereits vom zweiten Tag: Rudi und Ossi fahren weg, Willi und ich beenden Stunden später den Fahrtag wo der Rest der Bande schon regenerierend am Pool liegt.

Tags darauf starten wir in Richtung Fatarga und Willi nachdem er von zwei örtlichen Rennradler bergauf leicht gereizt wird, komplett durch.Ich vermute, das große aufgedruckte „M“ des Fast Food Riesen setzte bei Willi irgendwelche Hungergefühle frei. Nach dem bescheidenen täglichen Frühstück auch kein Wunder.

In Ayacata gibt es eine sternförmige Aufteilung der Protagonisten. Ich entscheide mich für die Abfahrt nach Mogán und ein Treffen mit dem Reiseleiter am Kuchenpass nachdem sich dieser dem Tal der Tränen widmet. Wie war das: „Ein Tag ohne .... ist ein verlorener Tag“.Das Treffen hätte zeittechnisch nicht besser erfolgen können. Nach der kurzen Pause haben wir eine hurtige Heimreise angetreten. Willi, an dieser Stelle schon leicht angeschlagen, war von meinen Tempoverschärfungen weniger entzückt: „Paarzeitfahren mias ma da jetzt net machen“.

Geburtstagsausfahrt

Der Herr Reiseleiter scheut keine Kosten und Mühen und bereitet mir ein fabelhafte Geburtstagsausfahrt. Wieder ist eine Aneinanderreihung der lustigsten Anstiege, den diese Insel zu bieten hat, am Programm Und sind schon einige. So soll das aber auch sein!Ganz in meinem Sinne kehren wir nach 6-einhalb Stunden und dezenten 142km mit 2850hm wieder heim.

In Anbetracht des darauf folgenden Ruhetages und der Feier des Tages gibt’s auf der Hausterrasse Vino Tinto und andere Leckerein. An dieser Stelle seien die Herrn Stoppi und Heinz erwähnt. Ein Allison V12 Schiffsdiesel hat einen wesentlich geringeren Spritverbrauch als diese Beiden Herrn. Denn nur so kann mein scheinbar zögerliches Nachschenken erklärt werden.

Der Busfahrer von Tejeda

Das Trainingslager, mittlerweile in der Zeit schon weit fortgeschritten – wir schreiben Samstag den 12. März. Das Wetter spielt immer noch alle Stückerl und der Herr Ossi und meiner einer sind frisch und ausgeruht vom Ruhetag. Wir starten über das „Grundlagental“ in Richung Soria, verblasen auf den Weg nach Ayacata ein paar Rennradler und Triathleten und am steilen Anstieg lässt der Herr Lance wieder seine Wadeln spielen und zieht davon.Frisch gestärkt (Menü de Ayacata) geht’s nach El Carrezal und weiter ins Tal der Tränen.Bei der Auffahrt zur Windmühle hängt sich ein Rennradfahrer aus unserem Lieblingsnachbarland an. Nach unserer zweiten Temposteigerung ist aber auch seine Anhänglichkeit für die Geschichtsbücher bestimmt.

Beim zweiten Stopp an der Tankstelle in Tejeda zeigt doch glatt der örtlichen Linienbusfahrer massives Interesse an unseren Radeln und beginnt: „Carbono, Carbono ...“, dazwischen ein paar weitere Wörter auf spanisch. Doch für uns nur ein spanisches Dorf. Offensichtlich spielt der Einheimische auf den Rahmenwerkstoff an?Ossi setzt all seine Spanischkenntnisse auf eine Karte und kontert: „Aluminio“.Bitter enttäuscht wendet sich der Busfahrer weg von Ossi´s zu meinem Rad: „Carbono ...“? Etwas zaghaft klingt die Frage. Mein „Si“ zaubert ihm aber ein Lächeln ins Gesicht: „Ahh Carbono“....

Die letzen Fahrtage

Schön langsam macht sich Müdigkeit in allen Körperteilen breit. Außer beim Willi, der fährt wie aufgezogen. Eine gewissen Verwandtschaft zum allseits beliebten Duracell-Häschen könnte des Rätsels Lösung sein. Trotzdem entscheide ich mich für eine Mountainbiketour mit dem mittlerweile zum „roten“ Mann mutierten Willi.Und wir finden immer wieder noch steilere Wege und Straßen. Nach fast 7 Stunden ernten wir wieder mal nur Kopfschütteln am Pool.

Nach einem weiteren „Defacto“ Ruhetag am Sonntag geht’s dann am vorletzten Tag mit Ossi und Willi ins Tal der Tränen. Beginnend im geschlossenen Mot-Marsch mit einem obligatorischen Besuch samt Cola am Kuchenpass (technischer Halt), soll im Anschluss der berühmt-berüchtigte Anstieg von El Carrezal bezwungen werden. Sanfte 1000hm, verteilt auf 11km spanische Landstraße sind ein Garant für nicht enden wollenden Spaß.

Glücklicherweise hat der Spaß dann doch nach 1 Std. ein Ende und wir haben den höchsten Punkt des Tages auch schon hinter uns. In Ayacata, beim obligatorischen Menü, treffen wir auf ein paar Tschechen, deren flüssige Verpflegung aus Hopfenblütentee besteht. Sachen gibt’s!

Der letzte Fahrtag steht dann ganz im Zeichen des stillen Abschieds von der Insel und der Abend im Zeichen einer grandiosen Buffetvernichtung. Das auch nur wenige Flaschen Rotwein diesen Abend überlebt haben, sollte nur am Rande erwähnt werden...

Kleine Rückreise – großes Kino

Für unsere kurze Rückreise in die kalte Heimat, hat der Reiseveranstalter alles aufgeboten was machbar ist. Hinter uns (Mr. M., Stoppi und meiner einer) die Poolliegenbesetzer aus der Hotelanlage. Als die Nobelzeitung „Österreich“ aus war, ging ein Raunzen durch die Reihe und so musste man sich auf das „lesen“ der Kronenzeitung beschränken! Grins.

Auf der anderen Seite der Sitzreihe niemand geringerer als Richard Lugners Stargast vom diesjährigen Opernball. Oder doch nur ein einfaches Dieter Bohlen Double?Dahinter jemand der bis zum Öffnen der Speiseverpackung eher unauffällig war. Kreativ und außergewöhnlich war das Öffnen allemal. Der Richie Lugner Verschnitt selbst, samt weiblicher Begleitung saß eine Reihe vor Stella und Ossi.

Der große Preis für die beste Darbietung auf diesem Flug gebührt allerdings jenem Herrn, der den ganzen Flug über die zuckerlrosa gefärbte Zipfelmütze trug.So verging auch die Rückreise wie im Flug.

Und nun schließen wir die Akte Traininglager 2010 und beginnen langsam mit der Vorbereitung für Gran Canaria 2011 ....